Wein schlürfen ist (k)eine Kunst

Ich sag’s ja ehrlich – ich habe von Wein gar keine Ahnung. Also ein bisschen schon natürlich, so wie jeder, der sich nie durch das Nachtleben schleppt, aber im Großen und Ganzen eigentlich gar nicht und nicht mal ansatzweise. Und gehöre zudem zu dieser aussterbenden Spezies an Mann, die in der hippen Gesellschaft ja völlig am Rande stehen, weil sie vorm Weinregal im Supermarkt nach dem Preis und dann nach der Farbe der Flasche gehen – und nicht nach dem, was da so drauf steht oder woher sie kommt. Ach so – ja, was Französisches, das klingt immer gut. Oder was Heimisches – gehört sich angeblich.

Übrigens, muss ja mal gesagt werden: “Trocken” – ich meine ganz ehrlich… wer kommt auf so was? Schon mal ein Fanta getrunken, danach den Geschmack über die Zunge und Gaumen fließen lassen und das Ganze dann anschließend nasal mit hoher Stimme bewertet “Mhh, nun… etwas bitter im Abgang, sanft prickelnd, vielleicht zu lange gelagert – aber trotzdem angenehm trocken.” Gratuliere. Am besten ins Gesicht schütten und man erspart sich das Handtuch – trocken!

Aber wie komme ich auf das? Keine Ahnung. Stand nur gerade vor dem Regal, also eher zufällig, weil ich versuchen musste, den Zusammenstoß mit einer 180 Tonnen Kilo Person zu verhindern, die mit gefühlten 30 Stundenkilometer durch die heilige Nahrungs-Tempel-Anlage des heimischen Supermarktes stolperte. Da sieht man dann so ganz viele Flaschen, die alle da so herumliegen im Regal und ganz tolle Namen haben – und irgendeinen Sack neben einem, der diese geistreich studiert und dann selbstbewusst irgendeine davon raus zieht. Pah!

Gestern Abend – die Anekdote am Rande – wurde Wein bestellt. Die Frage meiner Tischgenossen war:

W: Wir hätten gerne einen guten Wein – was habt ihr denn so?
D: Viele.
W: Äh, gut. Und was für welche?
D: Alles mögliche.
W: Was könnten Sie denn empfehlen?
D: Was wollen Sie denn?
W: Äh… ähm…
D: Was schmeckt Ihnen denn so?
W: Weiß nicht… was Französisches?

Na bin ich froh, dass ich kein Weintrinker bin und diesen Dialog nicht führen musste. Ich hätte vermutlich mit “Naja, normalerweise Kakao?!” geantwortet, aber vermutlich wäre das auch nicht gerade zielführend gewesen – zumindest hätte der Weinkenner-Sitznachbar sicherlich die Nase gerümpft. Es ist dann nach einem weiteren Wortwechsel ein kroatischer Wein geworden, der dem Chavignon Blanc ähnlich sein soll (angeblich und so halt blabla).

Aber ich steige zur Zeit sowieso vermehrt auf Mineral und Leitungswasser um. Ich möchte da übrigens gleich anmerken, dass aus der hiesigen Leitung der Geschmack leicht prickelnd ist, sauber abgeht und eine gewisse, wohlwollende und dezente Nässe hinterlässt und sich über das Trockene im Gaumen legt, gepaart mit einem Ton an Steigleitung.

Ich bin mir übrigens sicher, würde man “Le Charognard / Ne Chante Pas – Vigne / France” auf ein Etikett kleben, würde es die Leute trotzdem kaufen und elegant mit gehobenen Haupt an der Kassa stehen und sich stilsicher fühlen. Muahaha!

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. ha! in´s gesicht schütten und dann erspart man sich das handtuch :-D ich wüsst da schon ein paar leute, denen ich gerne so hilfreich wäre…
    und von wegen wasser – stell mal bei einer konferenz von, sagen wir mal, in-ladies, kein “evian” auf den tisch – das traust dich nie! ;-)

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