Ich lasse diverse Weihnachtsgeschichten und Erlebnisberichte der letzten Tage, sowie die zugehörige Familienfeier mit ihrem russischen und rumänischen Wodka und die heitere Tischrunde hier im Blog mal einfach (oder besser) aus… und widme mich dahier etwas viel Faderem und Ernsthafterem. Oder doch nicht?
Naja, von mir aus abgekürzt und vereinfacht… zu der Großfamilie in das Dorf zu fahren ist jedes Mal wie eine Reise in den tiefsten Osten der frühen 90er… graue, leergefegte und abgelegene Straßen, keine Menschen zu sehen, graue, eckige Gebäude, denen die Depression vom Verputz fällt, alles ein wenig staubig-winter-grau… Schachtelwohnungen in Wohnblöcken, darin kleine Wohnungen, mit schweren Stoff-Vorhängen vor den Fenstern, der Balkon im ersten Stock mit der Blickrichtung in den nackten, leeren und grauen Betoninnenhof, Kekse, Geschenke, Gläser, Flaschen, Kerzen und sonstiges Zeugs quer auf dem Tisch verteilt, rundherum auf Sofas und diversen beigestellten Sessel eine Großfamilie, die alle laut, lachend und wild durcheinander reden, ständig quer über den Tisch, sich dabei gegenseitig und gleichzeitig zurufen, sich köstlich über den Wodka amüsieren und dabei aus Kristallgläser mit den Verpackungs-Aufklebern trinken. Danach wird geseufzt, etwas gejammert, dann wird wieder ein bisschen gelacht und dann wird es plötzlich hektisch und man beginnt herum zu räumen und dann in diversen Grüppchen aufzubrechen. So schaut Weihnachten zumindest in einem Teil der Familie aus…
Fröhliche Weihnachten oder so. Ist heute wirklich Weihnachten? Seltsam… heute ist ein ganz normaler Arbeitstag für mich, mildes Wetter, Sonne mit Wind und auch sonst alles wie immer. Mh. Und morgen muss ich auch arbeiten. Tja, so ändern sich die Dinge im Leben. Na gut. Ich überspringe mal eben den heutigen “großen” Tag, wenn’s ok ist… bis morgen! Vielleicht wird’s nächstes Jahr besser.
Also. Es ist schade, aber meine weihnachtliche Stimmung ist irgendwie vollständig erloschen für dieses Jahr. Die Menschen und dieser Shoppingwahn ist wirklich einfach zu übertrieben schon. Mal eben am späten Nachmittag über die Einkaufsstraßen “flanieren” hat eher etwas von “kollektivem Lemming-Fieber”. Jeder läuft mit zwei, drei oder vier Taschen herum, steht jeweils dem anderen im Weg und ist genervt, hektisch, nervös und gestresst. Und man kann nicht mal einfach sagen, dass man sich von so etwas gar nicht beeinflussen lassen sollte, wenn einem im Alltag-Hamsterrad leider trotz aller Versuche nichts anderes übrig bleibt.
Immerhin gab es heute kurzfristig noch “Achterbahn” fahren mit Tofugotchi. Eigentlich war der Tag etwas anders geplant, aber irgendwann stand ich plötzlich in einem Geschäft, mit gefühlten tausend anderen Menschen. Tofugotchi neben mir mit zwei Errungenschaften und vor uns eine Warteschlange wie nach dem Zusammenbruch der UDSSR. Keine Ahnung wie und warum, aber wir waren dann doch schneller als gedacht dran. Also so circa im Jahr 4324. Danach ging es beinahe schnurstracks zum fahrbaren Untersatz und die lustige Achterbahn-Fahrt durch die Stadt ging los. Zwischen Handy, Fahrbahn, Handy, Achterbahn, Handy, Handy… aja, Achterbahn und Handy ging es nach einem kurzen Zwischenstopp durch das verstaute Wien, lustige Rot-Grün-Ampel-Wellen, zum Luft holen direkt hinaus in die Pampa an den Stadtrand von Wien, dort wurde mal die Gesundheit wieder aufgefrischt und danach ging es wieder zurück… genauer gesagt so wie die anderen Lemminge in die Welt von Glaspalästen und dem Glanz des Kommerzes.
Ich bin schon ziemlich genervt. Und zwar von dem ganzen Rausch, der sich schon wieder um Weihnachten dreht. Erstens ist meine Weihnachtsstimmung bei null. Zweitens gehen mir die Meldungen mit “Erfolgreicher Einkaufssamstag – blablabla” auch auf den Nerv. Vor allem, wenn man sich bei der Kasse mal anschaut, was die Leute so kaufen. Eine CD, einen Mixer, eine Plastikbarbie-Puppe und so weiter und so fort. Lauter “Klumpert”.
Auch bei dem Lichterzeugs, dass man sich in die Fenster klatschen kann, dominieren anscheinend Plastikfarben – und der grausige und billige Weihnachtsmann, den man sich wie ein zerfetztes Geschirrtuch mit Plastikleiter auf’s Dach oder an das Fenster hängen kann, löst bei mir schon einen richtigen Schüttelfrost aus – und das trotz der warmen Temperaturen. Ich hasse diesen verdrückten, verformten Weihnachtsmann, denn man speziell bei Kleingarten-Siedlungen, Gemeindebauten oder einzelnen Bezirken Schwerpunktsmäßig sieht – ist jetzt nicht abwertend gemeint – aber der Kulturstatus solcher wirklich hässlichen Verkitschungen spricht Bände.
Guten Morgen kleiner Blog. Gestern war Weihnachten – ein etwas stressiger Tag. 1x Freundschaft, 1x Mutter, 1x Vater, 1x kleine Schwester, 1x Großmutter, 1x andere Großmutter und Großvater – aja und Friedhof war auch noch dabei. Aber es ist überstanden. Der friedliche Weihnachtstag bestand zur Hälfte aus im Auto sitzen, Essen und Stiegen steigen. Aber man kann immerhin sagen, dass irgendwie sich alles doch noch gut ausgegangen ist. Nun – das war also der “heilige Tag” 2010. Die Weihnachtsstimmung selber war zwar nur punktuell und Minutenweise da, aber gut – es hätte auch ganz anders und wesentlich unlustiger sein können.
Tja, und in ein paar Tagen ist auch schon wieder das nächste Jahr! Ein neuer Anfang, eine neue Chance, ein neuer Beginn – zumindest der Zeitrechnung nach. Es ist wirklich beeindruckend, wie schnell die Tage dahinfliegen, je älter man wird. Eigentlich könnte man jetzt bereits darüber sinnieren, welche der üblichen Neujahrsvorsätze man sich aufschreiben und vornehmen möchte – aber mal ganz ehrlich… funktioniert das? Hat das bei jemanden schon je wirklich geklappt? Bei mir in den letzten knappen ~30 Jahren nicht.
Allerdings kann ich, zumindest aus der jetzigen Sicht, stolz behaupten, dass ich es online doch noch vor Jahresende und ganz unabhängig geschafft habe – mein elektronisches Leben zu minimieren. Ich habe nun tatsächlich nur mehr drei Webseiten – mein [Portfolio](http://www.emanuel-s.com), mein persönliches sowie diesen Blog hier. Die ersten beiden Seiten benötigen keine permanente Pflege und damit bleibt 2011 hoffentlich viel, viel mehr Zeit für das gemeinsame Team-Projekt. 2011 wird das Projekt-Jahr. Muss es auch und will ich auch. Privat dient das weltweite Netz somit nur mehr als Spielwiese und zum herumstöbern – genauso wie die Computer-Kiste nur mehr für freies, kreatives genützt werden soll – Grafiken, Illustrationen oder Fotos.
Nächstes Jahr möchte ich Weihnachten ganz anders angehen – mit einer Person etwas fix ausmachen und einen sehr ruhigen, beschaulichen Abend verbringen. Und die ganze Familienwiese und dergleichen dann auf verschiedene Tage aufteilen und viel mehr Zeit nehmen überall. Und zudem bereits Wochen vorher klar stellen: keine materiellen Geschenke – egal ob von mir oder zu mir. Gemeinsame, entspannte Zeit ist wesentlich kostbarer.
Also ich muss ganz ehrlich sein… dieses Jahr berührt mich Weihnachten (leider) so gut wie gar nicht. Beziehungsweise ist es nicht “greifbar” für mich und bisher auch sehr unauffällig an mir vorbeigegangen. Erstens habe ich das Gefühl, dass sich unter anderem nur sehr, sehr wenige Menschen in meiner Gegend einen Christbaum gekauft haben – zumindest kaum jemand damit rumlaufen gesehen, nur die fast immer kaum besuchten Verkaufsplätze – und auch in den Geschäften fehlt das Gespür meinerseits.
Ja, alle haben ihre Girlanden herumhängen, im Hintergrund nudelt sich “Last Christmas” ins unendlich ab – aber sonst…? Oder geht es da nur mir so? Ist das bei Euch auch so? Weil in den letzten Jahren wusste ich wenigstens, dass es an mir selber liegt (ein wenig Boykott), aber dieses Jahr ist es nicht mal das. Wäre sogar ein wenig offen dafür, aber das Gefühl ist eben sowas von überhaupt nicht da. Oder bin ich schon endgültig abgestumpft und merke nicht mal das mehr? Auch im TV und so ist das Ganze irgendwie sehr lose und dünn gestreut. Meiner Meinung nach gab es früher viel mehr Weihnachts-spezifisches an Sendungen und Shows und Aufrufen speziell am Abend… aber die letzten Tage war außer ein paar unnötigen Spiel-Serien mit einer Weihnachtsfolge auch im TV nicht viel davon zu sehen.
Irgendwie strange. Auch habe ich keine Weihnachtsgeschenke – tut mir leid, wird von Jahr zu Jahr schlimmer mit mir – aber ich mag es einfach nicht mehr. Auch will ich bitte, bitte, bitte keine bekommen – mir geht dieses Beschenken “eh nur eine Kleinigkeit” wirklich ganz ehrlich extrem auf den Geist. Wenn mir jemand was Liebes schenken möchte, dann soll er mit mir persönlich was unternehmen oder paar gemeinsame Stunden an einem NM oder WE mal verbringen – das sind auch echte und ehrliche Geschenke, über die ich mich richtig freue! Alles andere – das “kleine Packerl” – ist nur “Fake” und oberflächliches Pseudo-Ungut-Gefühl schenken und fast immer unnötig. Sozial-Egoismus.
Mh. Weihnachten… auch so ein Ding, an dem irgendwie der Zahn der Zeit nagt!?