Muli schreibt...

Mittwoch 03. Jänner 2018

# Weil ja immer wieder durch die Blume das Bargeld kritisiert wird und man regelmäßig dem europäischen Volk erklärt, wie rückständig man sei und die Vorteile und Nachteile auflistet und "gar nicht verstehen kann, warum der Mensch an diesem lästigen Bargeld bzw. Münzen und Scheine hängt und eine Karte soviel einfacher ist", dem sollte man solche Kommentare eintrichtern:

"Weil die meisten Menschen dumm, oder sagen wir besser naiv und ungebildet sind, und weil unser System bislang weitgehend reibungslos funktioniert hat. Die Alten, die noch Krieg, Enteignung und Inflation erlebt haben, sind fast ausgestorben, und die junge Wohlstandsgeneration hat noch nie erlebt, was es bedeutet, wenn eine Bank bankrott geht und die Ersparnisse eines harten Arbeitslebens futsch sind."

Und das ist das Traurige... eigentlich hat uns die Geschichte ja schon ausreichend gezeigt, wie schnell das Finanz-System flöten geht und in digitalen Zeiten trifft das Ganze noch mehr zu, denn hier kann man es von einer Minute auf die Andere abdrehen. Abgesehen davon sind bis heute die Zahlungsweisen über Webseiten, Apps und TAN-Nummern und Bestätigungen irgendwie noch immer so halbgar, sind technisch teilweise unbeholfen und verfügt über unterschiedliche Standards und dergleichen. Und dass die Menschheit sich von Jahr zu Jahr weiter freiwillig noch weiter in Konzern-Abhängigkeiten verliert, ist sowieso nur frustrierend. Das Absurde ist ja, dass auch Kryptowährung am besten Weg ist, um mittelfristig die selbe Richtung einzuschlagen.

Und dass man noch immer amerikanische System kopieren möchte, ist ja auch so eine Sache... als ob dort das Kreditkartenleben soviel einfacher und besser und sicherer geworden ist. Klar, man läuft mit weniger Dollar durch die Gegend, aber ansonsten? Und die nordischen Länder, die schon recht erfolgreich digitalisiert laufen, mögen Zugpferd und Richtungsweisend sein, aber das ist wie mit Linux. Das funktioniert recht gut, wenn nur wenige Gruppen es abgekapselt nutzen und sich dafür interessieren und es formen. Sobald es weiter skaliert, beginnen die nächsten Bedürfnisse der Großen, der verstärkte Kommerz-Trieb an Geschäftsmodellen und so weiter.

Unserer Generation (bzw. in meinem Fall sage ich sogar eher der nachgefolgten Generation) fehlt tatsächlich die echte Krisenerfahrung. Frieden und Wohlstand macht merklich vergesslich, da gilt schon die selbstgemachte Bank-Finanzkrise der letzten Jahre als großes Drama und schlagender Einbruch im Leben, dabei war das ja eigentlich harmlos in Relation zu früheren Ereignissen und wurde eher medial stark ausgelebt und breit getreten. Und war vor allem im mittleren Europa mit Österreich und Deutschland (...) mehr Thema, als echter Effekt.

Nachtrag: Wäre ich ein Bankunternehmen, würde ich natürlich auch die Digitalisierung vorantreiben. So lange, bis alles umgestellt ist. Und dann kräftig Kosten bei Abbuchungen, Überweisungen und Mikrotransaktionen verrechnen, ein treibendes Bonussystem aufbauen und niedrige Dauer-Zahlungen über Beitragszahlungen bestrafen. Was will der Kunde tun - er muss mich nutzen. Bei jeder einzelnen Zahlung nämlich. Und sei es das Schokoladenherz beim Nachmittagsspaziergang um 2 Euro oder der Flohmarkt-Sessel um 1 Euro. Und die liebe Politik lässt sich da ja trotz Regulatoren immer wieder weich klopfen und umtanzen und sobald man in den Raum wirft, dass man damit noch besser überwachen und kontrollieren kann, ist das Thema sowieso schon jedes Mal beratschlagt und abgesegnet.

Aber die Zeiten werden sich - und müssen, weil Geschichte sich unerbittlich wiederholt - ändern und die nächste Generation wird dann wiederum vor dem selbstgemachten Scherbenhaufen stehen. Vermutlich braucht es das auch aus irgendeinem unerfindlichen Grund. \o/

Nachtrag: Hach, wie passend: "Wer in Österreich in der Silvesternacht noch Sekt oder Zigaretten nachkaufen oder am Neujahrstag Cola oder Gebäck holen wollte, der erlebte mit hoher Wahrscheinlichkeit eine böse Überraschung, wenn er mit seiner EC-Karte zahlen wollte: Die funktionierte nämlich bis etwa 15 Uhr nicht an Bezahlterminals, weshalb Kunden, die kein oder nicht genug Bargeld dabei hatten, einen Umweg zum Geldautomaten machen oder auf die gewünschte Ware verzichten mussten." Der Zahlungsdienstleister meint, wie das Problem behoben wurde, gehöre nicht in die Presse. ^^