Samstag 14. April 2018

Ach Du grünes Blatt am Baum, gerade beim Alphonso drüber gelesen, der ja nun nicht mehr bei der FAZ seine Worttrüffeln verteilt, sondern nun bei der WELT gustierbar ist (schon ok, die WELT ist für mich halt ein Schleckblatt mit politischer Abhängigkeit und die Versemmelung von Journalismus durch Dauerkommentarspalten, aber der Don ist der Don und ganz unabhängig davon mal zu sehen).... und da taucht mal wieder das Wort "Krautreporter" auf.

Ha, das waren noch Zeiten, als dieses Projekt ins Tageslicht kullerte. Völlig vergessen meinerseits, aber auch nichts davon im Alltag mehr gehört. Erst interessiert und dann sehr skeptisch, hat es sich ja scheinbar dann eh so entwickelt, wie es zu erwarten war - nur so halb und in der Nische.

"Bis zum Ende des ersten Jahres reduzierte sich die Anzahl der Abonnenten der Krautreporter auf etwas mehr als ein Drittel. In der Folge wurde die Trägergesellschaft in eine Genossenschaft umgewandelt. Sie hatte im Jahr 2016 gut 350 Mitglieder, die 150.000 Euro eingezahlt hatten. Außerdem wurde schrittweise eine Paywall eingeführt, so dass der vollständige Inhalt nur noch den zahlenden Mitgliedern zugänglich ist.Das habe sich positiv auf die Abonnentenentwicklung ausgewirkt. Nach dem Tiefstand von etwa 5.000 Benutzern zum Ende des zweiten Geschäftsjahres habe sich die Zahl der Abonnenten netto wieder erholt." kann man da so auf Wikipedia lesen.

Naja. Soll so sein, wobei ich mich frage, wie lange das gut gehen wird in dieser grauen Zeit, wo sowieso guter Inhalt Mangelware ist und man das einfache Volk erst recht mit höherer Qualität, die frei zugänglich ist, beglücken sollte. Und nicht umgekehrt. Aber ja, wer zahlt das wo wie...

Mal überlegen, früher, als ich noch einigermaßen sinnvolle Sätze und Worte in Gedanken auf die digitale Mattscheibe brachte, da gab es doch einige Leser jeden Tag, die hier zufällig die Augen über die Zeilen stolpern ließen. Kein wirksamer Einschlag, denn dazu bin ich zu unstet, zerrissen und zerfleddert gewesen und stelle mir zudem zu oft die Sinnfrage der Wortklauberei im weltweiten Netz - aber es hätte sicherlich den einen oder anderen Kaffee, respektive Kakao gebracht, den die Leserschaft mit einer Spende finanziert hätte.

Ich wäre da gütig und nachsichtig gewesen... ein Euro pro Jahr wäre an der Grenze zum guten Geschmack des Kommerz gewesen und hätte die Serverkosten gedeckt und das fiktive Gefühl einer vorhandenen Leserschaft überwältigend in meine Welt eingebrannt und das Feuer entfacht. So hingegen gehe ich nicht mehr ins Kino und habe den selben Effekt. Die Kosten sind gedeckt, die Leserschaft könnte da sein oder auch nicht, ich weiß es ja schließlich nicht und das Freiheitsgefühl ist vorhanden. Zahlt sich also nicht aus, auch wenn es ein spannendes Experiment wäre.

Aber dieser mentale Druck dann. Was ist, wenn der geistige Erguss nur aus Alltagsbeobachtungen besteht und keinerlei Relevanz hat, aber die Leserschaft den Euro in hohen Bogen in den Brunnen dieses Blogs geworfen hatte und nun nach dem Glanz der Zeilen sucht? Das wäre doch Stress, der sich nur mühsam auf der schweißnassen Stirn verflüchtigt und ich bin ein Wassermann dem westlichen Sternzeichen nach - einmal eingesperrt, flüchten sie durch jede Ritze.

Ich müsste mal wieder in die alte Form kommen - nicht nur körperlich - und diesen Blog hier auch wieder lesbar und Augentauglich machen und nicht nur jammernd durch die Textdateien ziehen und mal dunkel und hell die Zeilen erleuchten lassen, sondern auch die kleinen Buchstaben bürsten, schrubben, abtrocknen und dann schön nebeneinander in einer gutmütigen, wohlwollenden Reihenfolge ausstellen, so dass man daraus auch einen Sinn ableiten kann, der womöglich sogar eine moralische oder gar - ganz gewagt - philosophische Komponenten in sich trägt. Aber man sollte soviel! \o/

Weniger Zucker zu sich nehmen und mehr trinken. Und mehr in die Natur gehen und weniger Gedanken wälzen, sondern sie eher durch die Finger rinnen lassen und kleine Tonschälchen damit formen. Da kann man dann Blümchen einsetzen und sich jeden Tag darüber freuen.

Nun denn. Das Schreiben wird bei mir nie eine Last sein und auch kein Erfolg, aber dafür die Verkörperung der Freiheit. Das ist auch fein. Ganz ohne Kraut, Rüben und Rubel.