Muli schreibt...

Sonntag 22. April 2018

# Ich habe ja mal vor langer Zeit und sicherlich schon drei~vier Blogs zuvor die Einträge als analoges Backup in Buchform drucken lassen (sogar zweimal). Ganz primitiv, bei einem windigen Online-Anbieter, sprich: PDF mit allen Einträgen erstellen und hochladen, Größe und Papier auswählen sowie das Cover gestalten und 20 Euro später hat man ein echtes, kleines Taschenbuch mit dem ganzen Schmafu, den man jahrelang so produzierte, im Regal stehen.

Auf jeden Fall habe ich das eine Büchlein gestern mal wieder aus anderen Gründen angegriffen, aufgeblättert und mir wurde bewusst, dass sich ja doch etwas überraschend sowas wie ein roter Faden durch das Leben zieht. Irgendeine Richtung habe ich ja also doch und die zeichnet sich lebensmäßig und beruflich ab. ^^

Was aber genauso beeindruckend für mich selber war, dass die ersten Einträge am Anfang jetzt mittlerweile schon - uff - ein Jahrzehnt+ alt sind. Gefühlsmäßig hätte ich drei oder vier Jahre gesagt, aber das ist wirklich ein großer Irrtum. Man wird schnell alt und es geht auch immer schneller und in einigen Jahren - vorausgesetzt, es kommt nichts dazwischen - wird die 40er Marke gekratzt. Schon so ein "Oha"- Erlebnis und macht etwas Angst.

Da passt der blinde Joybubbles thematisch gleich ganz gut dazu. Wer sich ein bisschen mit der Geschichte von Computern und Hacking und Phreaking jemals beschäfigt hat, dem wird der Name Steve Wozniak, Kevin Mitnick alias Condor, John T. Draper alias Captain Crunch und eben auch The Whistler ganz sicher etwas sagen - und bei Letzterem findet man folgenden Eintrag bei Wikipedia:

"Engressia studierte Ende der 1960er-Jahre an der University of South Florida, wurde jedoch der Universität verwiesen, nachdem er dabei erwischt worden war, Telefonanrufe, die er sich gebührenfrei zu erschleichen verstand, Freunden für einen Dollar pro Anruf vermittelt zu haben. Kurz darauf wurde er jedoch rehabilitiert und schloss sein Studium mit einem akademischen Grad im Studienfach Philosophie ab. Es heißt, er habe einen IQ von 172 gehabt.

Im Mai 1988, als Engressia 39 Jahre alt war, entschloss er sich, Kind zu sein, und bestand seitdem darauf, er sei fünf Jahre alt. 1991 änderte er zudem seinen Namen von Joe Engressia in Joybubbles."


Auch wenn bei ihm der Hintergrund ein etwas Tragischer war, finde ich die Einstellung prinzipiell gut. Wobei ich 12~13 Jahre alt deutlich besser finde. Das ist der beste Moment, um im Leben stehen zu bleiben und noch genug Spaß im Kopf zu haben und der Verwahrlosung des Erwachsenenseins zu entgehen.

Warum aber 12~13 Jahre alt und nicht 8 oder 15? Ganz einfach! Es ist das Alter, wo man schon recht gut die Welt versteht. Man weiß, wie Kinder denken und hat einen Bezug zu dieser Welt, man hat aber auch bereits gelernt, wie das dunkle Spiel der Erwachsenen mit Geld, Erfolg, Maske und so weiter funktioniert. Zugleich ist man bereits schon recht selbstständig, aber noch so jung, um noch nicht in einem beruflichen Hamsterrad eingesperrt zu sein und Sommerferien sind in diesem Alter noch echte Sommerferien ohne Druck und Vorgaben.

Als männliche Vertretung der Spezies Mensch versteht man in dem Alter zudem auch bereits glücklicherweise den Reiz des weiblichen Geschlechtes, darf aber noch sehr unbedarft sein. Und man ist auch noch mehr oder weniger vor der grauenhaften Pubertät und dem ganzen Schuldrama von Cliquen und Gangs und halbstarken Bubis, die zu früh rauchen und ihre erste Alkhoholvergiftung einheimsen, entfernt und gilt es noch zu entdecken. Zugleich darf man sich aber schon ernsthaft interessiert an Erwachsenen-Dingen zeigen und kann sie auch nachvollziehen und schon etwas mitreden, aber zugleich noch immer ein lustiges Taschenbuch lesen und Lego spielen, ohne dass es jemand hinterfragt oder es gar unpassend wäre.

Kurz gefasst - das ideale Alter also. Nicht zu jung und nicht zu alt. Und genau an dem Punkt sollte man - innerlich - stehen bleiben. Der Rest, der da dann noch dazu kommt, ist nämlich dann sowieso nur mehr Lebenserfahrung und die hemmt und blockt einem meistens eh nur und "verernstet" den Alltag schließlich zunehmend.

Also, mein Name ist Emanuel, ich bin 37+ Jahre alt, ich arbeite in einer Firma mit Menschen und Computer in einem 40 Stunden-Hamsterrad und zahle Miete sowie Steuern und wir können gerne über gesellschaftliche Konstrukte philosophieren ... aber innerlich bin ich 12-13 Jahre alt (geblieben) und lebe das auch aus. Ihr habt also Pech gehabt, wenn ihr dachtet, dass ich hier jemals ernst von Pension, Vorsorge, Banksystemen und Politik der Erwachsenen schreibe!

Kann ich nur Jedem und Jeder empfehlen, es macht das Leben auf jeden Fall besser und amüsanter! \o/