Muli schreibt...

Montag 02. Juli 2018

# Ein anderer Mitgrund, warum ich aktuell weniger hier in diesen Blog klopfe ist ja auch, dass ich mittlerweile meine eigenen Meinungen viel zu sehr hinterfrage. Leider. Ich ändere sie zwar nicht jedes Mal wieder ab, wenn ich nochmal darüber nachgedacht habe und belasse oft den Text... aber eigentlich denke ich mir recht oft "Uff, hoffentlich liest das keiner, peinlich... wie im Kindergarten", was insofern absurd ist, weil wozu dann einen Blog führen, wenn es niemand lesen soll?!

Zwar ist es mir im Prinzip ja tatsächlich egal, ob hier jemand mitliest oder nicht, jetzt mal positiv ausgedrückt - ich betreibe keinerlei Suchmaschinen-Optimierung, ich habe keine Tags, keine Kategorien und ja nicht einmal Überschriften bei den Einträgen, keine Kommentare, keine Share-Links und das nichtssagende Layout wirkt wie aus den frühen Tagen des Netzes und ich schreibe zudem nicht einmal über ein bestimmtes, nerdiges Thema - ich wüsste ja nicht einmal was, denn ich habe eigentlich keine Ahnung von Nichts - das irgendwie gezielt bestimmte Menschen anspricht, ich schreibe nebenbei keine Bücher oder spiele den Erklärbär zu irgendeinem klassischen User-Problem und auch technisch oder programmiermäßig kann ich hier nicht viel von mir geben, dass ihr nicht eh schon wisst oder sogar noch viel besser als ich.

Mangels Familie gibt es hier auch keine Babywickel-Techniken, ich restauriere auch keinen Oldtimer, von dessen Fortschritt ich berichten kann und Reisen spielt es auch kaum in der Realität, also bliebe nur noch thematisch Food und Co., aber sind wir uns ehrlich... ich glaube, wir sind alle dankbar, wenn ich diese Dinge lasse.

Es ist einfach entspannt, auch mal im Leben, das ja irgendwie immer einem Ziel und einer Zukunft unterworfen ist, kein Ziel zumindest hier verfolgen zu müssen. Deswegen schreibe ich halt das, was mir gerade so einfällt, aber es ist wichtig zu verstehen (auch für mich selber), dass die Worte, die sich hier einfinden, nur eine kleine Momentaufnahme des Lebens sind und ich sehr Vieles revidieren würde. Eigentlich. Aber dann hat nichts Bestand und das will ich auch nicht.

Übrigens, findet ihr es nicht auch absurd, dass in unserer Gesellschaft ständig die eigene Zukunft, das Morgen und dann, wenn man mal dort ist, dann wird man dies und jenes machen, anstrebt? Die Zukunft eines einzelnen Menschenlebens ist in der Regel jedoch der Tod und die erneute Vermischung mit dem Lebenszyklus der Atome, einer neuen Anordnung und dann geht es wieder in anderer Form und vielleicht Lebensweise weiter. Aber rein aus menschlich-alltäglicher Sicht müsste man doch alles daran setzen, das JETZT zu genießen und zu leben, den mit jedem Tag nach der Jugend geht es schließlich körperlich bergab.

Gut, der Eine oder Andere pflanzt sich vielleicht genau in dieser Zwischenphase biologisch fort und setzt noch ein Kind in die Welt, die vor Menschen eh schon untergeht und hamstert weiter Ressourcen, die Anderen weggenommen werden - aber lassen wir das. Der wird auf jeden Fall dann daran arbeiten, dass die Zukunft was Gutes für das Kind bringt (hoffentlich) und rennt dann automatisch im Rad der Zeit vor sich hin, bis das Ende ebenso da ist.

Aber wenn man diesen selbsterzeugten Druck durch sich oder die umgebende Gesellschaft nicht hat, dann sollte die Zukunft eine viel kleinere Rolle spielen. Zukunft ja, im Sinne von "Hinterlasse ein sauberes Leben, das nicht anderen Menschen irgendwann zur Last fällt", aber ansonsten müsste man jede Minute, ja jede Sekunde dem Moment an sich widmen und hier in vollen Zügen im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten in seinem eigenen Leben genießen. Die kleinen Momente und sich diese auch selber schaffen, so gut es geht. Dem großen und ganzen Ding nachlaufen, von dem eh keiner weiß, was es sein soll, erscheint mir etwas - und jetzt Ironie - ziellos. Und ein Monument schaffen... wozu? Spätestens zwei-drei Generationen hat es jeder schon vergessen, es sei denn man war Massenmörder oder Kriegsverursacher. Das hält sich in den Geschichtsbüchern eine Zeitlang, aber danach ist auch das vom Tisch. \o/

Aber gut, jetzt schweife ich vom Thema ab, das ich mittlerweile schon wieder vergessen habe... aja, genau! Also so gesehen ist dieser Blog immer eine Momentaufnahme und es ist gut so (ich sage mir hier jetzt mein eigenes Mantra auf). Der gute Kottke hat übrigens letztens in seinem Blog Kottke.org, der mittlerweile 20 Jahre auf dem Kerbholz hat, vermerkt, dass er selber etwas befremdet ist, wenn er seine alten Beiträge liest, weil eben noch viel jünger und anderes gedacht hat und dergleichen... aber man muss lernen, dass man das auch akzeptiert, weil sie auch die Basis vom Jetzt und seiner Selbst sind.

Zwar wird man immer der Gleiche in irgendeiner Form bleiben und damit meine ich jetzt nicht nur genetisch oder vom prinzipiellen Aussehen her, sondern auch von der Art und Weise seines Wesens, aber trotzdem wird es verschiedene Abschnitte des Lebens gehen, die sich soweit ändern, dass sie zwar ineinandergreifen, aber trotzdem nichts mehr direkt miteinander zu tun haben. Genauso naiv wie ich früher in alten Blogs war, bin ich es heute auf eine andere Art und Weise. Und das ist gut so, denn sonst geht der Spaß im Leben flöten. ^^

Somit sollte ich öfter schreiben und weniger nachdenken. \o/