Samstag 19. September 2015

# Man staune – es gibt sowas wie Selbsterkenntnis in der journalistischen Welt! „In moralischen und emotionalen Ekstasen steigerten sich die deutschen Medien mit wenigen Ausnahmen in einen Überbietungswettbewerb um Empathie und Willkommenseuphorie hinein, ohne Gedanken an den Überdruss, den derlei beim Leser erzeugen kann. Einseitigkeit war Trumpf: Die Umarmung der fernen Fremden ging einher mit rabiatem Kommunikationsabbruch dem deutschen Nachbarn gegenüber, der sich nicht auf die kommenden gesellschaftlichen Veränderungen freuen wollte. Kritische Distanz zu den Akteuren, genaue Recherche, die Zurückhaltung im Urteil bei unklarer Faktenlage, die gründliche Ausleuchtung der Hintergründe, Fairness bei der Präsentation unterschiedlicher Meinungen und ein analytischer Blick, der übers Aktuelle hinaus die Folgeprobleme einzuschätzen versucht, all das schien plötzlich unangemessen zu sein.“ Hier lesen.

Freitag 18. September 2015

# Meanwhile im 15. Bezirk: Plakat =)

# Da gibt es ja diese von mir skeptisch gesehene Plattform f+f (Link lasse ich weg) im Netz. Ein thematisch heikler Ausrutscher der Chefin aktuell (Flüchtlinge und Terroristen) und schon taucht auf Twitter plötzlich die Frage in der Runde auf: „He, warum schreibt ihr dort alle und gebt Euren Namen her?“ Ha, Hund beisst Herrchen.

# Es gibt ja zur Zeit den „Krieg“ der Werbeinustrie gegen Werbeblocker. Gut. Ich pflege ja eine Seite rund um Zoologie-News, gesammelte Kurzmeldungen aus dem Netz. Taucht wo ein Beitrag auf, dauert es oft nur ein paar Stunden, bis er auf anderen Seiten ebenso auftaucht – und zu 90% sind sie alle die unveränderte 1:1 Kopie der Original-Pressemeldung. Journalistische Arbeit ist da nicht vorhanden, es ließe sich sogar automatisieren… auf solchen Beitragsseiten nun aber Werbung zu zeigen und sich beschweren, wenn sie geblockt wird, finde ich dann schon fast grotesk, ist aber üblich. Aso, übrigens – zahlen die News-Verlage den Wissenschaftlern eine Abgabe für ihre Berichte? Nö.

# Wird ein Flüchtling an der Grenze abgewiesen, gibt es einen Aufschrei. Sein Land ist zerstört, liegt im Krieg, keine Zukunft, keine Hoffnung – wir müssen ihn doch retten! Ja. Interessant jedoch ebenso, dass dann solche Filme, Dokus oder Meldungen keinen Aufschrei verursachen… und dabei doch auszugsweise die Wurzel des ganzen Übels zeigen. Sowohl Buch als auch Film werden so wie viele Andere in diesem Metier ein kleines Publikum finden und schnell wieder vergessen werden. Mahlzeit – warum sieht man keine Demos und „Solidaritätsdiskussionen“ in diesen Bereichen? Flüchtlingen helfen ist großartig und gut, aber sinnvoller wäre es, gar niemanden zum Flüchtling zu machen. Und das tun wir – ja, wir auch – aber ständig.

# Was mich außerdem etwas ankotzt, ist dieses geheuchtelte Entsetzen auf Twitter und so weiter, wie denn solche Zustände mit Tränengas und Flüchtlingen bei uns in Europa überhaupt passieren können?!!! Da fragt man sich schon irgendwie, wo haben die die Jahre zuvor eigentlich hingeschaut und gelebt?? Ertrunkene, überfahrene, verprügelte und so weiter Flüchtlinge gibt es schon seit langer Zeit. Ebenso in LKWs erstickte Menschen oder ausgebeutete Seelen in Kellerquartieren, oder mit Tränengasse abgewehrte oder von Hunden gebissene Grenzgänger. Ist das ein Spiel der Medien oder sind die Menschen wirklich schon so temporär denkend und erfassend geworden, dass nur noch der aktuelle Moment realisiert wird? JETZT ist man entsetzt und erstaunt, dass es „sowas auch in Europa gibt“?? Jo, guten Morgen, kleine Traumwolke, hast ein ganzes Jahrzehnt irgendwie verpasst.

# Echt schwierig. Ich möchte ja noch immer so Mini-Alltags-Podcasts machen, aber ich finde nie den passenden Moment, wo es entweder gerade gehen, es passen oder oder inhaltlich interessant würde bzw. wäre. Aktuell lade ich halt mal wieder das Aufnahmegerät auf… Oh. Mist, Batterien und leer. Vergessen. …und werde es erneut im Alltag ständig mit mir rumschleppen… aber ob da was brauchbares rauskommt, keine Ahnung. Vor allem ist es ohne Video viel schwieriger… einfach mal ein amüsierendes Graffiti an der Wand zeigen, geht da halt nicht. Und wenn man selber nicht witzig ist, wird das Ganz akustisch eine ziemlich Fadnockerl-Nummer. That’s me. recordbuttondrück

# „Nein, ich bin 34, und es ist einfach leider so: Du kannst so unangepasst tun, wie du möchtest, aber irgendwann interessierst du dich einfach für die Lokalpresse und warum die Straße abgesperrt ist und was das für ein Lärm ist abends. Ich bin mittlerweile auch in so einem Stadium, wo ich meine Apps einfach nicht mehr aktualisiere und immer noch mit einem alten Betriebssystem arbeite. … Ich schaffe den Umstieg nicht. Man merkt langsam: Das Alter klopft in der Gestalt von verweigerten Software-Updates an die Tür.“ (Text bei Vice) Ha… wie gut ich mich da einfühlen kann. =)

Donnerstag 17. September 2015

# Was mich bei dem Original Law & Order aus den 90ern (TV-Spielfilm-Serie über Kriminalfälle – von dem Ereignis, Suche, Festnahme, Anklage, Nachweis, Anwaltsbla bis zur Verurteilung mit Jury aufgebaut – hier das Intro und Serien-Ausschnitt) immer wieder fasziniert: in jeder Folge treten in Form von Opfern, Tätern und Zeugen unzählige jedes Mal neue Gesichter auf. Und dennoch sind all diese Personen enorm authentisch, oft entspricht die Rolle, Aussehen, Art und Weise höchstwahrscheinlich auch dem tatsächlichen Lebens-Stil, auch die Wohnungen, Umgebung, usw – speziell manche Täter könnten völlig reale Personen mit dem selben Charakter sein… Und da frage ich mich schon, wie die Macher dieser Serie laufend in diesem riesigen Umfang (450~ Folgen) an diese großartigen Darsteller gekommen sind… Respekt.

# Hansi und Maria… über 60 und im Wiener Quake-Senioren-Club. „Maria ist darin verdammt gut. Alle Leute suchen sie, niemand findet sie. Auf einmal tickt die Bombe oder sie zückt das Messer!“ Tja, öhm. Auch gut.

# Was mir außerdem irgendwie aufstößt ist, dass Flüchtlinge, die nach Deutschland wollen, herzlich begrüßt und transportiert werden, aber seitdem die Grenzen dichter sind und sie vielleicht doch eher bei uns bleiben, ändert sich die Stimmung ganz schnell und man redet von dringender Kontrolle, Chaos und den Pflichten Ungarns und anderer Länder als Aufnahmepunkte. Na sowas aber auch.

# Übrigens ist es eigentlich zum Würgen. Da hat das Gros der EU am Anfang noch ganz entsetzt über Grenzkontrollen, Zäune und Co. und ähnliche Ideen die Hände über den Kopf zusammengeschlagen… und heute? Planung von multinationalen Grenztruppen und Stärkung der Außengrenzen. Aja. hust Es wird der EU nichts anderes übrig bleiben, nicht die Auswirkungen zu bekämpfen, sondern die Ursachen. Und die liegen im Süden und in den Händen der großen Politik- und Wirtschaftsmächte dieser Erde, die da überall mitnaschen. Man fragt sich ja, wie Firmen, die Waffen aus DE und Ö exportieren, eigentlich noch politisch überleben können bei dieser Welle an europäischer Union-Hilfsbereitschaft? #ironie

# Und noch einen Beitrag zum Anhören möchte ich Euch empfehlen… der gute Fefe und Frank diskutieren auf Alternativlos mal wieder über die Diskussionskultur und die Gefahren des Ausgrenzens von unerwünschten Meinungen und Menschengruppen – die man zwar ausblenden kann und an den Pranger stellt… aber sie sind ja trotzdem noch da. Empfehle ich – auch wenn es da und dort auch meinerseits ein anderes Meinungsbild gibt – um ein bisschen den eigenen Horizont zu erweitern, bevor man wieder das nächste Mal „Pranger“, „Melden“ und „Idioten“ schreit. Anhören kann man es sich das Ganze hier auf dieser Seite. Tipp.

# Ich muss ausnahmsweise mal einer Firma ein Lob aussprechen, auch wenn ich den Namen weg lasse, aber eine Bewerbung dort endete zwar mit einer Absage – jedoch gab es nicht nur die seltene Rückmeldung dazu, sondern sogar einen geschriebenen Brief per Post binnen kürzester Zeit – und das bei einem Online-Karriere-Center. Gefällt mir und hat etwas von Respekt, auch von der Formulierung übrigens, freundlich und wertschätzend und noch dazu bei einer Position, die jetzt auch nicht unbedingt die Krönung gewesen wäre. Ganz anders die Absage einer anderen, gehobenen Firma, die nach längerem ein Pseudo-nettes Mail schreiben und alles ganz großartig finden, nur um ganz am Schluss aufmerksam zu machen, dass noch ein Anhang dabei ist. Ratet mal. Ein Einzeiler-PDF mit einer Absage. So absurd und fast schon provokant. Den Satz in das Email direkt zu schreiben, wäre wohl zu einfach gewesen… wtf ist bloß los mit den Menschen??! #KopfaufTischplatte

# Einer der besten (kritischen und sachlichen) Beiträge bzw. Vorträge zum Thema Islamischer Staat (IS) seit langem. Michael Lüders beleuchtet am Podium stehend darin die Ursprünge in den 50ern und stellt fest, dass vor allem der Westen den größten Teil der Verantwortung und des Versagens trägt. Das Video dauert zwar über eine Stunde, es zahlt sich aber aus und sollte man sich unbedingt anschauen, bevor man sich auf Diskussionen rund um Islam, Kalifat und den „durchgeknallten, radikalen Süden“ einlässt. Hier anschauen.


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