Mittwoch 14. Dezember 2016

# "Ursprünglich sollten erste auf Galileo basierende Angebote schon 2008 zur Verfügung stehen. Wegen Streitigkeiten unter den Partnerländern gab es aber immer wieder Verzögerungen. Auch wegen Kostensteigerungen kam das europäische Prestigeprojekt immer wieder in die Kritik. Zudem gab es Pannen - 2014 zum Beispiel wurden zwei Satelliten in einer falschen Umlaufbahn ausgesetzt."

Aja, 2008. Naja, jetzt haben wir eh erst 2016. Mh. Warum habe ich das Gefühl, dass da noch weitere Komplikationen auftreten werden?

# "Facebook will Eltern mit einem neuen Informationsportal beim Umgang mit dem sozialen Netzwerk helfen. Nützliche Tipps und Tricks sollen die Medienkompetenz verbessern." Irgendwie sperrt sich da bei mir was. Facebook, Medienkompetenz. In einem Satz. Aber ganz köstlich ist ja das hier:

"Die Tipps für Eltern zeigen, wie Eltern mit ihren Kindern über Sicherheit im Netz sprechen können: Gebe deinem Kind zu verstehen, dass es gut darüber nachdenken muss, welche Inhalte es im Internet teilt.

Ja, genau... das sind nämlich dann die Eltern, die von ihren Kindern munter und völlig unbedarft Babybadewannen-Fotos mit Herzchen hochladen, quer durch die Tracking-Datenbanken taggen oder das Pickelgesicht unter dem Weihnachtsbaum mitsamt der restlichen Familie stolz an mindestens 300 Freunde posten. \o/

# Zur Zeit ist auch mein Smartphone etwas anstrengend. Seit Tagen taucht sporadisch die Meldung auf, dass die SD-Karte fehlerhaft sein könnte und bietet dann eine Reparatur an, die natürlich ergebnislos & nicht klappt und nichts bringt. Außerdem rebootet die kleine Kiste auch gerne dann, wenn man das Ding einfach auf den Tisch legt oder nur in die Jackentasche steckt. Das passiert am Tag durchaus mehrfach.

Außerdem surfe ich mit dem smarten Phone nur mehr ohne Wlan und verbrauche brav mein freien Netz-GBs, aber auch nur deswegen, weil es regelmäßig den Wechsel zwischen mehreren Wlan-Orten nicht kapiert und dann lange Offline-Zeiten hat, wo man sich über nicht eintreffende Nachrichten wundert oder es loggt sich zwischen Wlan und Telefon-Netz im Sekundentakt hin und her und Textnachrichten oder auch Surfen wird zu Qual.

Deswegen nutze ich das Smartphone eher nur stationär und unterwegs lasse ich es immer öfter stecken, weil ich dann eh nur einem Neustart zuschauen darf oder darauf warte, dass ich wieder eine Verbindung bekomme. Nervt zugegeben, dabei ist das Ding an sich erstaunlich gut, sogar als einziges Windows-Gerät in meinem Alltag und dass auch, obwohl es ein nachgeworfenes "Wühlkisten"-Ding um 90~ Euro damals war. System ist ok, es ist nutzbar mit ein paar Macken in der Menüführung, die man besser lösen könnte, aber ansonsten - wenn man keine Apps braucht - absolut brauchbar (Ja, ist tatsächlich auch noch ein Nokia-Gerät, kurz danach wurden die ja von der MS-Klippe gestoßen). Also eh gut - bis auf diese Aussetzer und Trägheit. Wobei die Trägheit auch Whatsapp und Co. geschuldet ist, die mit jedem Update fetter und bald inkompatibel werden.

Tja, vielleicht wird mein nächstes Handy wirklich so ein 30 Euro-Senioren-Tastending, wo ich endlich meine 1000 SMS aufbrauchen kann und wo hoffentlich nichts von sich aus kaputt gehen kann.

Nachtrag: Der einzig wirkliche Gewinn der modernen Ziegel ist ja die Kamera und das Lesen von Blogs.

# Ganztagesschulen, Ganztagesbetreuung, Ganztageshort, blablabla. Scheint so ein Modewort geworden zu sein und der neue Trend.

Also ich weiß ja nicht... wir hatten in meiner Jugend am Nachmittag meistens frei, Samstags teilweise auch keine Schule, hin und wieder vielleicht mal am Nachmittag zwei Stunden Werken oder einen Computerkurs (Quickbasic - ha!) oder ein Freifach wie Physik und Biologie mit Ausflügen oder "Macht's selber Experimente".

Und ich wage mal tollkühn zu behaupten, dass keiner von uns deshalb grenzdebil geworden ist, dass Alle aus dieser Zeit sich einigermaßen artikulieren können und wir haben uns am Nachmittag auch nicht umgebracht oder andere Menschen verprügelt. Sind sogar alleine in die Schule gefahren und auch wieder heim. Und Nachmittag war man halt auch oft selbstständig.

Klar ist man im Einkaufszentrum in Gruppen "abgehangen" oder es gab auch dumme Aktionen, aber so in Summe... sinnlos durch die Gegen strawanzen, mit dem Fahrrad rumkurven, lesen (!), miteinander reden und diskutieren, SNES, DOS und sonstige Spiele spielen und in Geschäften die Computerspielverpackungen bewundern und sich an den Schaufenstern die Nase wegen einem Nintendo 64 in der Auslage platt drücken, gegenseitig nachlaufen oder einfach auf einer Parkbank sitzen. Und trotzdem hatten wir ein Verständnis von Geographie, Biologie, Chemie, Physik, Englisch, Französisch und was weiß ich alles... bis auf Mathe, da war ich eine absolute Null, aber das lag an mir und nicht am Fach, so wie bei den Sprachen damals, wo ich halt rebellierte, aber bei vollem Bewusstsein.

Keiner von uns stürzte unbewusst in einen Drogen-, Gewalt- oder was auch immer Sumpf oder verlor Teile seiner Gehirnleistung, weil Mami und Papi keine Zeit am Nachmittag hatten und wir nicht von früh bis spät von Lehrern umsorgt wurden...?! Warum soll das jetzt anders sein?

Was erhofft man sich von dem Modell? Bessere Leistung? Bessere, intelligentere Menschen? Weniger Sozialfälle? Oder wie? Irgendwie bastelt man da an den wirklichen Problemen der Bildung völlig unnötig vorbei. Und das war vor über 20 Jahren schon so bei dem Thema und heute erst recht (wieder und setzt es aber jetzt auch durch). /o\

Nachtrag: Und ja, es wird ganz sicher jetzt Jemand zuhause vor seiner Kiste grinsen und sich denken "Eigentlich bist du hier das beste Beispiel dafür, was schief gehen kann, wenn man ihn nicht auffängt und ganztägig betreut", aber diese Kommentare könnt ihr Euch sparen. Das weiß ich schon selber. ^^

# Oh, schaut mal: Video. Hach ja, wem kommt das bekannt vor? \o/

# Ich war ja jetzt schon lange nicht mehr auf so BarCamps und den ganzen Kram, auch weil mir mittlerweile das Interesse und die Nerven dazu fehlen - irgendwie haben sich die halt eben doch von einem Nerd-Treff zu durchorganisierten Marketing-Kommerz-Kram entwickelt und es geht dann um Markt, Reichweite, Strategien und Lernfaktoren, blabla... oder es gibt doch noch Technik-Gesülze, aber auch da kommt man ohne den Worten Android, iPhone und Windows nicht mehr aus und alles dreht und stirbt mit Apps und Co. Also mit einem Wort: fad. Oder zach. Da fehlt die Würze.

Heute in der Früh, stehend mit anderen Lemmingen unterwegs im Zug, zufällig bei Holgi & Toby und deren Realitätsabgleich in irgendeiner Sendung aufgeschnappt, dass der Holgi bei so einem Podcast-Treffen war und er dort das Gefühl hatte, dass sich die Generation verändert hat. Die Frage, warum - in dem Fall - einen Podcast machen, bringt diesen Geschmack mit sich, dass sich die "neue Generation" nicht mehr dafür interessiert, einen Podcast zu "machen", sondern primär "Wie kann man damit Geld machen und es effizent vermarkten?". Beziehungsweise "Wie muss ich das angehen, damit es Erfolg bietet und lohnt sich der Aufwand?". Er kritisiert das oder sieht es zumindest skeptisch und mir geht es da genauso.

Wenn ich so über die letzten BarCamps, IT-Treffen oder Wasauchimmerfür-Tage nachdenke, hat es sich immer weiter und weiter zu einem "Wo ist denn der Gewinn bei der Sache und was habe ich davon?" gewandelt. Es geht nicht mehr darum, einfach seine Passion umzusetzen und Spaß daran zu haben, sondern es wird wie ein Produkt gehandelt. Investition, Ergiebigkeit, Gewinn. Ich finde das schade, weil Blogger, Podcaster, Youtuber oder auch Twitcher und so weiter, die Etwas einfach aus Spaß machen und ihre Freizeit dafür herschenken und "das Ding leben", sind wirklich rar geworden. Überall muss eine Strategie, eine Marktnische, ein Gewinn, Erfolg oder Referenz dahinter stehen. Und dieser Flow verstärkt sich.

Natürlich ist auch zum Beispiel diese Ansammlung an Texten hier nicht uneigennützig. Ich verdiene damit nichts, es gibt keine Werbung, keine Analyse, ich bekomme kein Lob, niemand hält mir deswegen die Türe auf und Jobs werden mir deswegen auch nicht geschenkt oder zugeführt und 99% meiner sogar näheren Mitmenschen schaut hier niemals rein oder vergisst die Seite eine Stunde später wieder. Aber natürlich schenke ich mir selber damit ein Selbstwertgefühl, irgendeine Form von Selbstdarstellung oder auch Befriedigung. Aber diese Dinge sind natürlich nur ein Hauch und steht in keiner Relation zu der Zeit, die ich hier vertippe. Auch dieser Text nicht. Und trotzdem macht man es, weil es einfach Spaß macht und irgendwie ein Glücksgefühl erzeugt. Ohne, dass aber mein Bankkonto wächst oder Jemand auf der Straße begeistert meinen Namen ruft. Reicht denn das nicht mehr? Brauche ich dafür eine Strategie, Kooperationen, eine Plus-Minus-Rechung und eine Bewertung meines Darstellungs-Scores in irgendeinem Ranking?

Irgendwie seltsam, was da so vor sich geht. Und ja, ich sitze da auch in einer Filterbubble und da draußen gibt es Millionen Menschen, die OpenSource Software und Co., erzeugen und basteln und herschenken und so weiter, aber ich beziehe mich jetzt spezifisch auf die "Content-Erzeugung". Erstellung von Inhalten, ohne dass dabei eine Autor-Biografie unter dem Text direkt klebt und man Visitenkarten verteilt, SEO-Schlangenöl schmiert und täglich sein Ranking beäugelt oder es im Zug laut erzählt, damit man ja wahrgenommen und nicht von der Angst aufgefressen wird, in der Masse der Menschheit unbedeutend zu versinken. Mmmh.

Nachtrag: Ich glaube, es gibt einfach zuwenige Nerds und Freaks heutzutage, weil die die es heute darstellen, eigentlich Mainstream sind und auch nur inaktiv der Masse folgt. Aber wer eine Gegenmeinung hat - nur her damit. \o/

# "Das gilt sicher nicht für alle – mit meinen Studierenden mache ich auch gegenteilige Erfahrungen. Aber in der Tendenz trifft es leider zu. Es herrscht das "User-Prinzip": die mehr oder weniger kompetente Bedienung vorgegebener Systeme. Arbeit, Bildung und Freizeit sind danach eine ununterbrochene, ständig zu steigernde Performance. Die Grundlagen kritisch zu hinterfragen würde die Performance stören."

"Die Bildungslandschaft ist aktuell bestimmt von Pisa und Bologna: Humane und pädagogische Werte werden durch ökonomische ersetzt. Es geht nicht mehr um letztlich unberechenbare individuelle Bildungsprozesse – sondern um in Einzelteilen berechnetes verwertbares Humankapital. Menschen sollen wie beliebige Produkte nach standardisierten Verfahren hergestellt werden, in der Schule wie später in der Hochschule. Das halte ich für einen pädagogischen, politischen und wirtschaftlichen Kardinalfehler."

"Die Pisastudien bieten keine Grundlage für neue Denk- und Lebensformen, sie basieren nicht einmal auf ernsthaft wissenschaftlicher Vergleichbarkeit. Aber sie bauen Wettbewerbsdruck auf, der letztlich ins Nichts führt."

Schuld daran, dass Junge kritisches Denken verlernen, hätten Pisa und Bologna, sagt die Bildungswissenschafterin Frost - Es gibt zu viel Anpassung.

# Fällt Euch auch auf, dass jetzt wo Amerika in Syrien gerade eher nur die zweite Rolle spielt, Europa durch Nicht-Aktion auffällt und Russland sich mal eben durch Aleppo bombt und anscheinend damit "Fortschritte" macht, sich die News-Medien nun schlagartig an Dramatik überschlagen? Massenopfer da, Gräueltaten dort, verschwundene Familien, die "absolute" Zerstörung, das Inferno, der endgültige Untergang der Menschlichkeit und so weiter?

Schon irgendwie seltsam diese Schlagzeilen, denn diese Situation gab es bereits seit Monaten und immer wieder - von allen Seiten aus. Aber jetzt, wo man das Zepter abgeben muss und auch an politischen Boden verliert, hätte man es anscheinend gerne, dass es einfach weiterläuft wie bisher und so ein Dauer-Konflikt weiterköchelt. Da müsste Europa weiterhin keine genaue Position einnehmen, Amerika könnte seine Rolle als Weltpolizist in regelmäßigen Abständen spielen und Russland duldet man halt offiziell und schnippt denen hin und wieder auf die Finger. Aber das scheint ja jetzt nicht mehr zu klappen und irgendwie wird man da augenscheinlich nervös und weiß nicht so recht, wie man darauf reagieren soll. ^^

Nachtrag: Soll nicht heißen, dass ich die jetzige Entwicklung gutheiße oder mich über die dortige Situation lustig machen will, aber es zeigt - in meinen Augen - ein bisschen von der Heuchelei im Alltag. Wenn wir uns durchbomben oder Waffen verteilen, dient es dem Guten, wenn es "die Anderen" tun, ist es "grauenhaft". Aja... mal wieder.

Dienstag 13. Dezember 2016

# The Rule of Silence. Weil es gerade so schön passt:

"The rule of silence, also referred to as the silence is golden rule, is an important part of the Unix philosophy that states that when a program has nothing surprising, interesting or useful to say, it should say nothing. It means that well-behaved programs should treat their users' attention and concentration as being valuable and thus perform their tasks as unobtrusively as possible. That is, silence in itself is a virtue.

"Write programs that are small, simple and transparent. Write them so that they do only one thing, but do it well and can work together with other programs. That is, the philosophy centers around the concepts of smallness, simplicity, modularity, craftsmanship, transparency, economy, diversity, portability, flexibility and extensibility."

# Jetzt muss man sich wirklich langsam um die EU Sorgen machen. Das Ei. Kein weiteres Kommentar.

Nachtrag: Man stelle sich die Schlagzeilen vor, wenn China oder Nordkorea so ein Ei-Ding bauen würde. Die News-Medien würden sich vermutlich königlich darüber amüsieren.

# Ich finde es ja immer so nett, wenn man vom Netz-Anbieter einen Brief bekommt, dass sich das Service um ein paar Euros pro Monat erhöht, weil alles teurer und besseres Service und schneller und Blabla. Und dann der nette Zusatz, dass man aber natürlich das Sonderkündigungsrecht in Anspruch nehmen und problemlos sofort aus seinem Vertrag aussteigen kann. Hatte ich beispielsweise damals bei meinem Handy-Anbieter A1 zu einem passenden Moment getan und weg war ich und nutze seitdem eine Wertkarte um 1/6 des früheren Preises.

Jetzt erhöhen sich also wieder mal die Kosten für den Heim-Anschluss, der zugegeben bei mir immer funktioniert und auch nur mehr sehr selten Ausfälle hat, schnell ist und dergleichen... aber sogar wenn man wechseln wollen würde... ja zu wem denn? In Wien ist man mehr oder weniger von zwei Platzhirschen umgeben und das war es dann. "Du kannst jederzeit aussteigen und Dich digital völlig abkapseln oder mehr zahlen und in der Gemeinschaft bleiben - wähle weise. Und solltest Du dann wieder zurück wollen, zahlst Du das Doppelte."

Nachtrag: Ich muss mal tracken, wieviele GigaBytes ich so im Monat am Laptop hier verbrauche. Habe ich auch schon seit Jahren nicht mehr getan. Vielleicht gibt es da ja doch bessere Alternativen und... oh, ich hatte vergessen! Da gibt es ja Webbastler, die das Netz mit tausenden Zusätzen, Bibliotheken und fünf Server-Anbindungen unnötig zustopfen, Videos automatisch starten lassen, Content ungefragt nachladen und Bilder mit 4000 Pixel unkomprimiert einbinden und... nope. Die Frage hat sich schon erledigt. Danke! \o/

# Food-Coops. Ach ja... die Kolchos-Idee lebt wieder auf. ^^

# Skynet wird greifbar. Drohnenschwärme für den vernetzten Krieg.

# Und noch so ein Nachtrag... man hat ja auch den ganzen Kram eingebunden, um zum Beispiel endlos zu scrollen oder weitere Inhalte auf der selben Seite zu laden und so weiter. Gerade vorhin war ich auf ein paar größeren Seiten von diversen Anbietern unterwegs, alle natürlich modern, mit allen Raffinessen und so weiter.

Aber ganz ehrlich: der Schmarrn lädt genauso schnell oder langsam, als wenn ich gleich unten auf die nächste Seite blättere. Klick und fertig. Ganz unkompliziert. Kein Ladebalken, keine Bibliothek dazu und hey, ich kann die Seite neu laden, zurück gehen oder was auch immer und es geht einfach. Ganz ohne Aufwand. Und die Abfragen bzw. Requests an den Server sind auch nicht mehr, sondern sogar weniger, weil ich den ganzen Kram schon von Grund auf nicht mit laden muss.

Nachtrag: "Emanuel, das wird deswegen gemacht, weil es User animiert und es auch ein Anreiz ist, länger auf der Seite zu bleiben und er nur mehr sliden und nicht mehr klicken muss." Ja ja, aber das habt ihr den Usern auf's Auge gedrückt und jetzt sind sie verwöhnt. Heute ist ja alles nur mehr ein Fluss und alles nur mehr eine Bewegung, eine Revolution, blabla. Man blättert nicht mehr, man slidet. Man schreibt nicht mehr, sondern slidet die Buchstaben. Man scrollten nicht mehr, sondern slidet den Inhalt. Man navigiert nicht mehr, sondern slidet durch das Menü. Aber das könnt ihr wenden und drehen wie ihr wollt - es ist eine fettige Schmierei. Nicht nur am Display, sondern auch technisch. Tut mir leid, da bleibe ich erzkonservativ und rückständig.

Und nein, man war früher nicht deswegen langsamer im Netz unterwegs, weil alles so bescheuert & primitiv zu klicken war und konnte erst durch die moderne JavaScript-Technik besser und schneller werden und sonstige Supermarkt-Hausverstand-Weisheiten, sondern es war das Netz einfach langsamer. Die Geräte schwächer und die Netzanbindung geringer. Ruft heute mal eine der "primitiven Seiten" mobil ab. Da macht es ZACK. Und sie ist da. Wären sie damals auch schon gewesen.

Nachtrag: "Aber Emanuel, mobil ist das Alles ein bisschen anders!" Mhm, genau. Vermutlich liest Du gerade meinen Blog hier am Smartphone, oder? Ja sowas aber auch?! Ha! \o/ Und später scrollst bei Fefe vorbei, gell? Und weißt Du was? Ich tippe den Text hier gerade auf einem Tablet. Vom Bett aus, um fünf in der Früh. Mit Touchdisplay. Erstaunlich, es funktioniert trotzdem. Sapperlot aber auch! Aber um Dir nicht die Illusion zu nehmen... ich sitze natürlich da, setze die selbstgeschnitzten Druckbuchstaben aus Holz ein und presse das Ganze mit alten Tintenpatronen auf einen USB-Stick, während ich mir dabei die Haare zerraufe und fluche, dass ich kein jQuery hier eingebunden habe. Mhmmmm.

Montag 12. Dezember 2016

# Nein und nochmals Nein. Ich habe schon einmal gesagt, dass ich nichts gegen JavaScript habe. Es geht mir um den Einsatz prinzipiell.

Als Beispiel die Farben-Geschichte auf diversen Tool-Webseiten. Anstatt, dass einfach eine simple Liste der Farben dargestellt wird, gibt es meistens einen "geschmeidigen" Color-Picker in tollen Formen, Variationen und so weiter. Jaja, gut gemacht, aber mit deaktiviertem JavaScript ist die Seite nicht mal mehr in Ansatz nutzbar. Also wieder 5 Bibliotheken und URLs freigeben, die da so im Hintergrund nachgeladen werden. Danke, hach wie toll! \o/

Mal eben aus Versehen im Browser zurück gehen oder neu laden? Darfst erneut picken und mit Glück die selbe Farbe nochmal erwischen. Außerdem bremst es natürlich die Seite wieder ein Stückchen mehr aus. Für keinerlei Mehrwert oder Nutzen, außer ein wenig Platz-Ersparnis und die ist nun wirklich sekundär.

Man kann selbstverständlich sinnvolle, kleine Fluffis mit JavaScript erstellen, beispielsweise Hinweise, Benachrichtigungen, Menüpunkte oder sortierbare Listen und so weiter. Aber in 90% der Fälle ist es - wenn man sich mal nicht selber in die Tasche lügt - unnötig.

Erinnert mich auch gleich an den Grund, warum ich gerne wieder einen Old-school MP3-Player hätte. Die Audio-App am Smartphone erfährt nämlich ein Update nach dem Anderen. Das Einzige, das sich jedoch verändert hat ist, dass jetzt alles noch mehr slidet, scrollt, bewegt und animiert wird. Dafür stürzt das Ding umso schneller und öfter ab, ist träger und futtert eindeutig mehr Ressourcen. Für wirklich null Mehrwert und die Hauptfunktion leidet prompt darunter.

Es heißt ja auch immer gerne, dass "die Menschen" das wollen und so toll finden... Ich bin eher der Meinung, dass man es als Entwickler selber fördert und in der Hand hat, was der User tatsächlich will und mit was er sich zufrieden gibt. Die Meisten sind nämlich dankbar, wenn eine Webseite, App und was auch immer, sofort startet, schnell ist und am besten mit sowenig Interaktion wie möglich auskommt und schlicht und ergreifend überall funktioniert. Auch unter widrigen Voraussetzungen. Ich höre nämlich eigentlich recht selten von Jemanden, dass eine Seite jetzt wirklich besser nutzbar geworden ist, weil nun irgendwo ein Slider wild herumscrollt oder sich vier Layers hineinschieben oder man nun endlos scrollen kann. Es ist eher ein "Die Anderen haben das ja auch alle so!"-Gesülze der Webbastler, "also wir auch".

Manche Bastler können sich Webseiten-Konzepte ohne solche Zusätze zudem oft gar nicht mal mehr vorstellen und stammeln gerne was von "Das braucht man wegen der mobilen User und den Kompabilitäten!" Schwachsinn. Als lose Ergänzung ja und wenn Du nicht 3 MB schwere Bibliotheken dafür einbindest. Ansonsten lerne Dein Handwerk neu. Und noch was... es ist doch sowas von schnurzegal, wenn irgendwo ein div-Container oder eine Schrift einen Pixel größer oder kleiner ist oder das Logo in dem Browser eine Nuance anders wirkt. Kommt schon! Wir sind ja nicht mehr im Kindergarten.

Und jetzt gleich nochmal festhalten: Es ist piepegal, ob wir schon fast im Zukunftsjahr 2017 leben und alle diese tollen Möglichkeiten haben, ausschöpfen und nutzen können und man glücklicherweise nicht mehr an das spröde HTML & CSS-Gerüst gekettet ist. Es geht aber trotzdem noch immer um Sinnhaftigkeit und Nutzen. Das Ziel muss es prinzipiell sein, eine Webseite so schnell, unkompliziert und ressourcensparend zu erstellen, wie nur irgendwie möglich. Und mit so wenig Fremdbibliotheken, Anbindungen und Abhängigkeiten. Liegt aber irgendwie eh auf der Hand, oder?

Nachtrag: Dieses ganze JavaScript-Kleben erinnert oft an das Ankleben von Neon-Plastikstoßstangen an Autos und sonstige Ergänzungen. Schauen aus der Ferne unter Umständen toll aus, aus der Nähe hingegen billig, scheitern an der kleinsten Bodenwelle und brechen und splittern beim ersten Steinschlag, während sich der Sprühlack in der Sonne von selbst ablöst.

Nachtrag: Aja, da fällt mir auch zum Beispiel ein Webseiten-Statistik-Tool ein, das unglaubliche 39+ MB groß ist und ungefähr 12 Bibliotheken und Co. mitschleppt und aus hunderten Ordnern besteht. Für ein paar simple Auswertungen auf Perl-Basis. Vollkommen absurd. Vermutlich sind 90% der Webseite fünfmal kleiner als das Log-Ding selber. \o/

Nachtrag: Und natürlich wird es Sudertanten geben, die nun sagen: "Hör mal Emanuel, das Web entwickelt sich weiter... Touch, Slide, neue Sprachen, neue Formen, neue..." Herrschaftszeiten, hört auf mit dem Käse! Es ist vollkommener Blödsinn. Wer lange genug dabei ist, der weiß A) es ist inhaltlich nichts besser geworden, sondern nur Anders. B) der Umgang mit den Seiten hat sich nur unwesentlich verändert und schon gar nicht wirklich verbessert. Sie schauen vielleicht nur cleaner und freundlicher heutzutage aus, aber das wäre früher auch schon möglich gewesen, wenn ein anderer Zeitgeist geherrscht hätte, war aber auch damals schon von der Technik unabhängig. C) und nein, es ist keine Weiterentwicklung, wenn ich für die selben Texte heutzutage fünf Workarounds, Bibliotheken, Anbindungen und Abhängigkeiten brauche, die man früher auf einer simplen 3kb HTML-Seite mit Inlay-CSS genauso lesen konnte.

Nachtrag: Das ist auch bei CMS zu beobachten. Für jeden kleinen Firlefanz benötigt man heutzutage ein Backend. Auch für Seiten, die vielleicht einmal im Jahr punktuell ein bisschen aktualisiert werden, wird gleich mal ein Wordpress auf den Server geklatscht. Machen ja alle so. Mittlerweile lerne ich auch immer öfter Menschen kennen, die Alternativen zu Wordpress gar nicht mal mehr kennen oder davon ausgehen, dass andere Lösungen gar nicht solche Möglichkeiten bieten. Und wenn man bei einem drei Seiten-Portfolio fünf Plugins installiert, drei Slider und fünf verschiedene Schriftarten und das Ergebnis 4 kb groß ist, das Backend aber 25 Mb, dann ist wirklich Feuer am Dach. Verstehen tut es aber kaum jemand, weil "über sowas muss man heute ja nicht mehr nachdenken. Der Server kann das schon und so..." Mhm. Genau - als ob das das Problem wäre! \o/


 1   2   3   4   5   6   7   8   9   10   11   12   13   14   15   16   17   18   19   20   21   22   23   24   25   26   27   28   29   30   31  32  33   34   35   36   37   38   39   40   41   42   43   44   45   46   47   48   49   50   51   52   53   54   55   56   57   58   59   60   61   62   63   64   65   66   67   68   69   70   71   72   73   74   75   76   77   78   79   80   81   82   83   84   85   86   87   88   89   90   91   92   93   94   95   96   97   98   99   100   101   102   103   104   105   106   107   108   109   110   111   112   113   114   115   116   117   118   119   120   121   122   123   124   125   126   127   128   129   130   131   132   133   134   135   136   137   138