Mittwoch 08. Juni 2016

# Mein kleiner Senfberg: es ist absolut ok, wenn die Wahlen rechtlich angefochten werden...? Warum auch nicht? Das gehört zu einer Demokratie dazu, dass man sich die Ergebnisse näher anschaut bzw. anschauen kann - denn so oder so kann man nur gewinnen. Auch das gehört nun mal eben zu Wahlen und darf auch - glücklicherweise - so sein.

Denn stellt sich heraus, es gab umfassende Manipulationen, dann kann man daraus nur lernen und das demokratische Instrument weiter verbessern und dem Bürger damit dann noch mehr Vertrauen durch mehr Transparenz abringen (was heute eh schon schwer genug ist, weil man den politischen Instrumenten nicht mehr traut), stellt sich hingegen heraus, dass eh alles ok war, na dann wurde die demokratische Entscheidung erst recht bestätigt und es gibt keine gefährlichen Diskussionen mehr um dieses Thema.

Wer sich da jetzt über die Anfechtung durch die FPÖ ärgert und rumsudert, bekommt von mir wirklich kein Verständnis - und dazu muss man weder rechts noch links, quer oder was auch immer sein, denn es geht hier ausschließlich um das Demokratieprinzip und das muss solche Dinge auch aushalten. Dafür sollte man sogar dankbar sein... in anderen Ländern wäre diese Möglichkeit nicht mal denkbar.

# Internetverbot für Beamte in Singapur - "Öffentlich Bedienstete in Singapur werden künftig während der Arbeit keinen Zugang mehr zum Internet haben. Mit dem Verbot, das nächsten Mai in Kraft tritt, sollen mögliche Leaks angesichts steigender Sicherheitsrisiken verhindert werden... - All computers used officially by public servants in Singapore will be cut off from the Internet from May next year, in an unprecedented move to tighten security."

Hrhrhrh, irgendwie amüsant, absurd und zugleich auch cool. \o\

# So, ich habe ja zur Zeit ein Problem. Es gab in der letzten Woche eine Diskussion in der CCC-Mailingliste, wo einer gemeint hat, er sei so depremiert, dass man quasi nichts mehr gegen die Überwachung tun kann. Einer konterte, dass man ja jetzt dafür mehr verschlüsselt. Und da musste ich auch meine Meinung los werden, weil ich das eben ganz anders sehe und die Verschlüsselung für mich nur ein (erzwungenes und ungewolltes) Fluchtverhalten ist.

Hat sich dann über mehrere Emails in der Gruppe hingezogen und es bot den willkommenen Anlass, mal den aufgestauten Frust dezent abzulassen und sich der harten Realität zu stellen (natürlich nur in meinen Augen).

Problem, ich möchte das gerne mal zu einem vernünftigen Text verbasteln, aber zugleich auch die Mails generell archivieren... also habe ich mein Getippsel zu den anderen Texten im eigenen Wiki hinzugefügt... nur es ist doch recht viel, sehr viel Text geworden. Falls das aber jemand lesen mag und vielleicht sogar auch seine Meinung kundtun mag... ist alles willkommen.

Denn ich bin der Meinung, dass man schon lange verloren hat und der "Kampf gegen Überwachung und Co." einfach eine verträumte Blase bzw. selbst inszinierte Augenauswischerei ist - man rettet nur mehr das verschwommene Etwas um sich selber halt zu beruhigen oder seine Kampf-Existenz begründen zu können, aber generell ist das Alles nur mehr heiße Luft:

Verlorener Kampf um die Privatsphäre.

# Ich kopiere da mal was vom Fefe - ohne die Zahlen selber näher zu kennen, geprüft zu haben oder sonstwas, deswegen nur mit Vorbehalt... sollte das aber hinkommen, müsste man sich in Europa nochmal hinsetzen und erstmal ganz viel nachdenken (auch über den hiesigen Journalismus):

"In Indien gibt es offiziell pro Jahr 24000 Vergewaltigungen. Aktivisten sprechen von einer Dunkelziffer von 90%, das wären also tatsächlich 240000 Vergewaltigungen pro Jahr. Bei einer Bevölkerung von 1,2 Milliarden Menschen."

"In Deutschland gibt es jährlich knapp 7500 Fälle von Vergewaltigung, plus jeweils knapp 50000 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Mit Dunkelziffer kommen wir in Indien also auf 0.0002 Fälle pro Einwohner, in Deutschland ohne Dunkelziffer (dafür aber die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung eingerechnet) auf 0.0007~ Fälle pro Einwohner."

".... Wir haben ... eine Verurteilungsquote von 7.5% (Indien: 25%)."

Ich würde mich ja nicht wundern, wenn das hinkommen könnte theoretisch, denn wenn es eines gibt, dann dass wir in Europa sehr gut darin sind, mal eben mit Finger auf die Dinge da draußen außerhalb der Grenzen zu zeigen und entsetzt zu sein. Wie schon einmal bei anderen Themen gesagt... bei uns verpackt sich alles immer nur hinter Schulterklopfen, Belächeln, Vetternwirtschaft, intellektueller Politik, Bürokratie, Medienlandschaft, Philosophie und Co.... substrahiert man das aber mal eben weg, bleibt genau der gleiche Schmafu und das gleiche, dunkle Loch übrig.

Nachtrag: Ich muss dabei ja generell immer an dieses Bild denken.

Dienstag 07. Juni 2016

# "Gemessen am Wert der exportierten Waffen lagen dem "Small-Arms Survey" zufolge 2013 die USA, Italien, Deutschland, Brasilien und Österreich vorne. Die größten Kleinwaffen-Importeure waren demnach die USA, Kanada, Deutschland, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien."

Nachtrag: "Hauptabnahmeländer von Österreich (Glock) waren USA, Saudi Arabien, Thailand, Brasilien und Italien. ... Brasilien, Österreich und Belgien deklarierten ihre Handfeuerwaffen nur unpräzise, z. B. als Sportwaffe statt Pistole."

# Der schwierige Spagat zwischen erprobter Technik und modernen HighTech-Ansätzen: Die Technik von gestern in der Raumfahrt von morgen.

Montag 06. Juni 2016

# Deutschland: Große Koalition will Geheimdienst-Überwachung legalisieren.

"Die illegalen Überwachungsmethoden des Bundesnachrichtendiensts sollen einfach legalisiert werden. Das geht aus dem Gesetzentwurf zur BND-Reform hervor, den wir veröffentlichen. In einigen Bereichen droht sogar eine erhebliche Ausweitung der Überwachung."

Kein Kommentar.

# Ganz ehrlich: so mag ich Webseiten. Ich selber werde noch ein wenig bis dahin brauchen, aber ich finde das einfach nur angenehm.

Nachtrag: Es ist nur schade, dass Browser kein responsive Darstellung von Textdateien und Link-Aktivierung anbieten.

# Internet-Design: Diese Webseite ist nicht hässlich. Das ist Punk.

"Für seine Webseiten-Sammlung auf Brutalistwebsites.com wühlt Deville sich beispielsweise durch Buchstabenwüsten auf dem Bildschirm, mit ozeanblau eingefärbten Links in Standardschriften.

Manche würden sagen: Neunzigerjahre-Trash aus der Frühzeit des Internets. Überholt. Deville, Kreativdirektor bei einer Schweizer Agentur, sieht das anders, zumindest solange es sich um moderne Webseiten handelt. Er fasst sie als Teil einer Protestbewegung namens Web Brutalism auf."


Na endlich! Freude! Meine Portfolio-Seite und auch die Anderen sind also purer Punk! \o\o//o/

Nachtrag: Ein kanadischer Webdesigner namens Justin Jackson hat vor Kurzem unter dem Titel I'm a fucking Webmaster einen Text veröffentlicht, der die politische Komponente des Web-Brutalismus liefert.

Darin kritisiert Jackson, dass immer mehr Webseiten überladen sind und ihre Erbauer vergessen hätten, worum es im Kern gehe: Inhalt. "Unsere Webseiten waren verdammt hässlich", gibt Jackson zu, schreibt aber auch: "Sie waren einfach. Aber sie waren fokussiert. Keine Ablenkungen, es gab nur die Frage: Welche Idee willst du ausdrücken?"

# Erst laut rufen und "Wir wollen bessere Sperren und das muss sofort aus dem Netz binnen kürzester Zeit und sobald jemand etwas meldet, sofort!". Obwohl Kritiker davor ebenso laut gewarnt haben, dass das irgendwann auf einem selbst zurück fallen wird. Und was ist?

Jetzt weinen sie. Problem ist halt, dass mir jetzt das Mitgefühl fehlt, weil es war ja klar, dass man dieses Blatt auch umdrehen kann und Filtern eine komplizierte Sache ist.\o/

# Also so nebenbei habe ich mich mal wieder mit der Verschlüsselung von Webseiten auseinandergesetzt und mir damit auch bewusst gemacht, dass ich dafür bei mir aktuell noch keine Notwendigkeit sehe. Betrifft jetzt vor allem den Blog und die Wikis - schlicht und ergreifend, weil es hier keine aktive Nutzer-Bereiche gibt mit Eingaben und dergleichen und auch sonst weder Daten gesammelt noch verarbeitet werden... ich werfe hier nur simplen Text zum Lesen aus und die Sicherheit kratzt mich hier nur in einem geringen Ausmaß.

SSL bremst zudem weiterhin und für solche primitiven Seiten wie Meine ist das dann die unnötige Kanone, um mal eben auf die Spatzen zu feuern. Zu übertrieben.

Außerdem bin ich generell der Meinung, dass wir uns mit dem ganzen Zertifikatswirrwarr, Updatefunktionen und so weiter, langfristig sowieso wieder die nächsten Stolpersteine anhäufen und dann halt vor den nächsten Problemen stehen... der Kreislauf endet ja eh nie mit dem Nachrüsten. Und einen Fan-Shop werde ich wohl nicht so schnell hier unterhalten, wo diese Frage relevanter wäre. ^^

Nachtrag: "Ja, aber... aber Google und so mögen dann Deine Seite nicht mehr und warnen womöglich davor und Du verlierst User und Leser, verschwindest in der Bedeutungslosigkeit und niemand wird sich je wieder an Dich erinnern und all die Mühe war umsonst!??" UUuuuwwwuuuwwuuuhhhhhhhhh!! Wie schröööcklich! \o/

Nachtrag: Wenn der Betreiber mal kostenlose Zertifikate per Mausklick anbietet, überlege ich mir den Aufwand nochmal, bis dahin legt Euch eine Patina mit Schokolade zu... wir werden es schon überleben! Vertraut mir, hrhrhrh!

Nachtrag: Kritiken bitte per Schneckenpost und Wachssiegel mit Zitronensaft geschrieben an Emanuel, Meeresbucht 1, Strand 11 schicken. Oder via IRC, aber das schafft eh kaum jemand. ^^

Sonntag 05. Juni 2016

# Und irgendwann dann kommt der Moment, wo man von den lokalen Mail-Clients extrem genervt ist. Alpine da, Thunderbird dort, irgendein was auch immer am Smartphone, am Chromebook mit einem dazugeschobenen Ubuntu via SSH auf und über dem Pi wiederum zu Alpine und am alten PC läuft noch Mutt (konnte mich gar nicht erinnern)... nur: das geht so nicht mehr. Noch dazu landen gesendete Mails unterschiedlich da und dort lokal oder doch am Server und manchmal passt es mit dem Syncen auch nicht so wirklich. Und ich wechsel mehrfach täglich.

Und da stellt man sich irgendwann die Frage, wozu eigentlich jedes System einzeln wiederum mit einem Mail-Clienten belasten und zumüllen? Richtig. Also wieder zurück zur zentralen Weboberfläche via Browser am Server, von dem ja sowieso die Mails abgeholt werden.

Nur was? Horde...? Bbrrr, danke nein, Jahre lang furchtbar darunter gelitten. Zimbra? Das fette Teil? Nope. Roundcube? Ein Jahr oder länger intensiv genutzt, aber so ganz round war es auch nie irgendwie.

Rainloop. Aha, scheint interessant zu sein, da vor allem keine Datenbank notwendig und multipler IMAP-Zugriff auf Emails möglich ist. Speichert selber nichts außer ein paar Configs und ist quasi nur der grafische Blick auf die Mails.

Und was soll ich sagen? Es funktioniert. Ist zwar Javascript-Kram, aber läuft quasi out of the box auch am billigen Shared Account mit allen meinen Accounts, ist ausreichend flott, Anhänge klappen und so weiter... also eine Zeit lang mal nutzen.

Wird zwar ausreichend Löcher da und dort haben, PHP lässt grüßen und es gibt sicher noch den einen oder anderen Fallstrick, aber was Anderes kenn ich auch nicht. Und an eine Gmail-Schnittstelle binde ich mich sicher nicht an.

Eigentlich hätte ich ja gerne was alias Prayer, das ohne den ganzen JS-Kram auskommt und rudimentärer werkt, aber der Pool dafür ist heutzutage recht klein geworden mittlerweile... es gibt kaum Tools bzw. Lösungen außer den üblichen Verdächtigen wie eben Roundcube und Co. (oder sie sind dazugebastelte Zusätze bei Groupware-Tools oder völlig veraltet). Leider. Diese Old-School-Web-Clients zum selber einrichten sterben irgendwie mehr und mehr aus. :(

Nachtrag: Bei Horde muss man allerdings fairerweise sagen, dass der Smartphone-Zugriff durchaus gut funktioniert und es die rudimentärste Lösung natürlich ist - und sich auch bei 1000+ Mails gut bewährt hat.

# Schon amüsant... habe mir in letzter Zeit oftmals am Abend die diversen Teile von Terminator angeschaut, aber auch mal wieder Robocop. Und wenn man dann so eine (hyperventilierte) Schlagzeile liest:

"Pentagon: Roboter sollen Facebook lesen, dann Verdächtige töten - Interne Dokumente des US-Militärs zeigen besorgniserregende Forschungen zu autonomen Robotern. Die letzte Entscheidung über Leben und Tod darf nicht in die "Hände" von Maschinen gelegt werden – das verkünden fast alle westlichen Regierungen, UN-Komitees wie Experten unisono. Doch hinter den Kulissen wird, was zu erwarten war, schon mit Hochdruck an autonomen Killerrobotern geforscht."

...dann machen diese ganzen Filme absolut Sinn und sind plötzlich völlig normal und verlieren jeden Hauch von Fiktion. Etwas zu viele Explosionen im Hollywood-Stil, aber der Rest... der basiert auf den mittlerweile real gewordenen Grundlagen. Es heißt hier nur nicht Skynet oder OCP, sondern stattdessen HSCOI... so viel Unterschied ist da nicht.

"Das Pentagon überlegt, das Verbot einer Auslagerung auf Maschinen zu umgehen, indem es Roboter entwickelt, die "wie Menschen" agieren."

Exakt wie bei Robocop, wo die gesetzliche Einführung von Robotern in den USA daran scheitert, dass sie der Masse nicht menschlich und emotional genug sind - also bastelt man sich ein Zwischending wie eben den Polizisten Alex J. Murphy alias Robocop. ^^

# Missbrauchsvorwürfe: Jacob Appelbaum muss Tor-Projekt verlassen. /o\

# Also vielleicht nicht das passende Thema für Sonntag um 6 Uhr und 49 Minuten, aber weil ich es gerade gelesen hatte: Kyrie Eleison - Ableben mit Stil. Passt gut zu meinen eigenen Beobachtungen.

Darüber nachdenken will ja niemand, aber ich für mich weiß, dass ich genau auf das verzichten wollen würde. Bitte ja kein blödes Aufbahren und dann sitzt die müde, genervte Verwandtschaft dort - oder gar irgendwelche Menschen, die einfach nur gerade so da sind, spechteln wollen oder irgendwo auf ein Häppchen hoffen - und dann kommt das depressive Gejammere am Mikrofon.

Ist ja immer das gleiche Blabla, was daran emotional oder ergreifend oder was auch immer ist, habe ich bis heute nicht verstanden. Wenn es mich betrifft und mir derjenige nahe stand, dann heule ich auch so, das geht ganz ohne Pfarrer, schwarz gekleideten Menschen und der trostlosen Stimmung einer Aufbahrungshalle. Das geht auch zuhause am Sofa, wenn man an jemanden denkt, der "verloren" ging.

Aufbahrungshallen~Räume - das ist für mich überhaupt einer der hässlichsten Orte überhaupt. Wozu? Betretenes Schweigen, weil keiner sich reden traut, alle sitzen still rum, frieren oder sind hungrig, man starrt irgendeinen Sarg an, wo man meistens eh nicht weiß, was wirklich darin liegt, weil nicht offen, irgendwelche unglaublich hässlichen Blumenkränze und dergleichen picken darauf - ganz ehrlich, das ist nicht schön. Schon gar nicht, wenn man weiß, dass das vom Nachbargeschäft ums Eck ist, irgendwo blitzt der Metalldraht hervor, diese abgrundtiefhässlichen Schriftschleifen darauf "In großer Trauer" und so weiter, wenn man Pech hat, ist auch noch ein Quasi-Werbe-Ding im Eck und so weiter... na furchtbar!

Dann irgendwann schleppen sich alle über einen zumeist Kiesweg (warum ist der eigentlich immer?) Irgendwo vorne der Sarg mit den grausigen Blumengaben, heutzutage nicht mehr getragen, sondern meistens mit einem komischen Wagerl, das ausschaut wie in einem Krankenhaus bei der Essensausgabe, dahinter - wennst ganz viel Pech hast - eine windschiefe Kapelle - oder die frustrierte Familie, die zwischen Trauer und "Bloß weg hier" hin- und herkippt.

Ja und dann stehen alle vorm Grab, irgendwelche Worthülsen und dann kurbelt man die Holzkiste in das Loch und dann folgt sowieso dieser wirklich idiotisch-grausame Teil: man schüttet ein Schauferl Erde der Reihe nach rein. Da stirbst und dann haut die Familie auch noch ein Schauferl nach. Na toll. Und nebenbei drückt man dem Totengräber, der vorher mit seinem modernen Hydraulikbagger das Loch ausgegehoben hat, ein paar Münzen in die Hand, bedankt sich mit stoischer Miene und schaut gar furchtbar ernst und betroffen dabei.

Und wenn es dann noch schlimmer kommt, folgt ein Singen oder ähnliches, irgendein schweres Kirchenlied, wo man ja glatt hoffen muss, dass sich nicht gleich noch jemand in das Loch dazu stürzt.

Also wirklich - nein, nein, nein. Sollte mich der Schlag des Gerechten erwischen, dann bitte unkompliziert. Entweder man vergräbt mich bitteschön in einem Waldfriedhof binnen weniger Minuten ohne Blabla, wo alles wild und bunt wächst oder man verbrennt mich und streut mich in die Landschaft. Aber bitte kein Erdloch - außerdem leide ich dann unter Klaustrophobie.

Und schon gar kein Katzenmusik-Gejammere, irgendein Kirchenlied in hohen Tönen über Trauer, Auferstehung, Erhöre uns, Erbarme uns, Erbarme mich, Sünden-Erlass und ich weiß nicht was. Und schon gar keine Rede... was soll denn der sagen? "Jo, eigentlich woar er eh nett, gö. Sonst... eigentlich, najo, ah deppat, genau beim Update umzufallen in der Wohnung, a bled und de Katzerl hob ihn a angfressn. Net schen, gell." Also wirklich!

Soll heißen: wenn ich tot bin, haut mich in den Wald - kurz und bündig, ohne Zeremonie, Gesang oder Kirchenläuten oder was auch immer - oder ab auf den Haufen und verstreut die Asche - aber bitte nicht am Industriefeld vor der Großstadt. Irgendwo in einer fröhlichen Gruppe durch die Welt reisen, das Leben genießen und an schönen Orten - an der Küste, in den Bergen, in einer kleinen, netten Stadt, am Land, am Boot und wo auch immer - ein bisschen was von mir verstreuen. Habe ich zwar nichts mehr davon, aber das Prinzip ist erfüllt und die Anderen können das noch nützen damit und haben einen Grund aus ihrem Alltag auszubrechen.

Und ja keine Schleifen oder Nadelzweigkränze und Co... bbrrrr! Den billigsten Holzsarg, am liebsten ein Jutesack oder sowas und ein paar schöne Wiesenblumen drauf, so drei, vier Stück. AUS. Und als "Trauerfeier" (auch so ein absurdes Wort) nichts. Kurz und bündig, nach 15 Minuten sollen alle wieder gehen und flüchten können. Wer mich wirklich vermissen würde, der vermisst mich dann zuhause oder wo auch immer genauso, das muss nicht am Kiesweg bei diesigem Wetter mit Kopfweh in der Reihe 9, Abschnitt 292, Grab A 25421 sein. Wirklich nicht.

Und keine Musik und schon gar keine Rede oder irgendein Gebet. Wenn es einen Gott gibt, dann bitte nicht den auch noch anheulen, das er schon wieder was tut und wieder jemanden rettet, aufnimmt, entsündigt und so weiter - dieses ständige Anseiern ist doch nur furchtbar dumm, lästig und peinlich. Wie kommt denn der dazu? An seiner Stelle wäre ich schon längst angewidert.

Ich will einfach Teil der Erde - der Biomasse - werden und so wieder im Zyklus des Lebens einen Teil erfüllen, denn so gesehen stirbt man eh nie, es ist ein dauerhaftes Leben in unterschiedlichen Aggregatszuständen. Was soll man denn da betrauern?Meinen zerfallenden Zellhaufen, der sich in Myriaden kleiner Lebewesen zersetzt. Ich bin wir! Super ist das!

Mit Pech oder eher Glück weht man mal als Humus durch die Landschaft, am Feld daneben, kommt in den Nahrungskreislauf und ein Familienanhang kauft sich bei der Schnellbahnstation ein Weizensemmerl und futtert einen Teil dann von einem auf... auch ok, hat man einen Sinn erfüllt.

Aber dieses ganze unglaublich trostlose, schwarze, dunkle, schwere Aufbahrungshallen-Gejammere und depressiv alle auf einem Haufen und überhaupt... geh bitte! Ja nicht! Es reicht, wenn da ein-zwei Leute sind, die sich um die funktionalen Abläufe kümmern. Der Rest soll zuhause oder sonst wo leben, atmen, sich freuen und was Gutes essen, Musik hören und dem liebsten Hobby nachgehen und mal entspannt durchatmen und einfach "leben". Das würde ich mir wünschen - viel besser. Haben wir alle was davon. Und dann mit meiner Asche durch die Welt reisen. Oder auch ohne und stattdessen schöne, kleine Steine auf der ganzen Welt sammeln, die kann man dann zu meinem Waldfriedhofgrab bringen. Das wäre nett.

Nachtrag: Und ja keine Grabsteinplatte oder so ein schwerfällig, graues Ding. Ich lebe eh schon in der verbauten Beton-Großstadt, da will ich doch nicht auch noch einen grauen Stein-Deckel drauf - na Mahlzeit. Wie beim Kanal. Etwas Erde und aus. Ein paar Wiesenblumen reinpflanzen oder einen Apfel- oder Birnen-Baum und auch kein Holzkreuz oder sowas Depressives, schaut ja dann aus wie am Straßeneck bei einem Unfall. Da soll man gerne vorbeischauen wollen? Nein, ein kleines, viereckiges, simples Holzschild mit einem sinnvollen Spruch wie "Trinkt mehr Kakao!", "Habt Euch doch einfach alle mal lieb!" oder "Nur SNES war das Wahre!" und ganz klein der Name für Ahnungslose darunter. Aus. Und keine Geburts- und Sterbe-Jahreszahlen oder sowas... warum schreibt man die drauf? Bringt ja nichts??? Man ist in dem Moment eh nicht mehr da, völlig egal, wann man da gelebt hat. Viel zu viel industrialisiertes Standard-Bla, das Ganze. Brrrr. "Jössas, der ist 81 geboren, na servas, des oarme Tschernobylkind" - das kann doch keiner wollen?

Nachtrag: Ist nur ein Blogeintrag am Rande, weil es gerade zum oben erwähnten Blogartikel passt, aber ich betrachte das hier auch gleich als mein "Manifest". Liebe Familie, liebe Freunde: haltet Euch daran. Sonst komme ich wieder. >(


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